Agentic Payments: Wie autonom darf die KI bezahlen? | ALLES LEGAL #145

Alles Legal #145

Was passiert beim Bezahlen, wenn nicht mehr der Mensch selbst, sondern ein KI-Agent den Checkout übernimmt? In Folge #145 von Alles Legal – Fintech-Recht kompakt erfahren Sie, welche Möglichkeiten das Zahlungsrecht für Agentic Payments bereits bietet – und wo regulatorische Vorgaben autonomen Zahlungen noch Grenzen setzen. Jetzt reinhören!

Podcast: https://paymentandbanking.podigee.io/870-alles-legal-145-agentic-payments-wie-autonom-darf-die-ki-bezahlen/

Wenn der KI-Agent nicht nur kauft, sondern auch bezahlt

In der ersten Folge unserer Reihe zu Agentic Commerce ging es darum, wie Verträge zustande kommen können, wenn ein KI-Agent selbstständig für einen Nutzer handelt. Nun folgt der nächste entscheidende Schritt: die Zahlung.

Gemeinsam mit Moderatorin Dana Wondra von Payment & Banking spricht Frank Müller, Rechtsanwalt bei Annerton und Autor bei PayTechLaw, darüber, wie Agentic Payments rechtlich einzuordnen sind. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine Zahlung funktionieren kann, wenn der Nutzer beim eigentlichen Checkout gar nicht mehr aktiv beteiligt ist.

Autorisierung und Authentifizierung: zwei unterschiedliche Fragen

Beim klassischen Onlinekauf liegen Kaufentscheidung, Wahl des Zahlungsmittels und Freigabe der Zahlung häufig eng beieinander. Bei Agentic Payments können diese Schritte dagegen deutlich auseinanderfallen.

Ein Nutzer könnte seinem KI-Agenten beispielsweise morgens den Auftrag geben, einen passenden Flug für maximal 300 Euro zu buchen. Welche Airline gewählt wird, wie hoch der konkrete Preis ausfällt und an wen letztlich gezahlt wird, entscheidet sich möglicherweise erst Stunden später.

Zahlungsrechtlich ist dabei zwischen Autorisierung und Authentifizierung zu unterscheiden. Mit der Autorisierung stimmt der Kunde einem Zahlungsvorgang zu. Die Authentifizierung dient dagegen dazu, zu überprüfen, ob tatsächlich die berechtigte Person handelt.

Eine allgemeine Vorgabe wie „Gib für meine Reise höchstens 1.000 Euro aus“ beantwortet deshalb noch nicht automatisch alle rechtlichen Fragen rund um die später ausgeführte Zahlung.

Starke Kundenauthentifizierung trifft auf autonome Zahlungen

Besonders relevant wird das bei Kartenzahlungen und den Vorgaben zur starken Kundenauthentifizierung nach PSD2. Bei bestimmten Online-Zahlungen müssen unter anderem der konkrete Betrag und der Zahlungsempfänger miteinander verknüpft werden.

Für Agentic Payments entsteht daraus ein praktisches Problem: Zum Zeitpunkt, an dem der Nutzer seinem Agenten ein Mandat erteilt, stehen diese Informationen unter Umständen noch gar nicht fest.

Hinzu kommt, dass nicht jedes Zahlungsmittel denselben Regeln folgt. Ob der Agent beispielsweise per Karte oder Lastschrift bezahlt, kann daher einen erheblichen Unterschied für die rechtliche Bewertung machen.

Welche Ausnahmen gibt es bereits heute?

Das bestehende Zahlungsrecht bietet durchaus Spielräume. Schon heute existieren Ausnahmen von der starken Kundenauthentifizierung, etwa bei bestimmten wiederkehrenden Zahlungen, vertrauenswürdigen Zahlungsempfängern oder risikoarmen Transaktionen.

Einige dieser Mechanismen könnten auch für Agentic Payments relevant werden. Eine allgemeine Lösung für vollständig autonome Bezahlvorgänge stellen sie allerdings noch nicht dar.

Warum technische Infrastruktur entscheidend wird

Parallel zur rechtlichen Diskussion entwickeln große Zahlungsanbieter bereits technische Lösungen für Agentic Payments. Sie sollen beispielsweise ermöglichen, KI-Agenten eindeutig zu identifizieren, Mandate zu dokumentieren und Zahlungsinformationen über Token abzubilden.

Für die rechtliche Praxis ist das von großer Bedeutung. Händler und Zahlungsdienstleister müssen nachvollziehen können, ob ein Agent tatsächlich für einen bestimmten Nutzer handeln darf und ob er sich innerhalb des erteilten Mandats bewegt.

Technologie ersetzt die rechtliche Bewertung also nicht. Sie kann aber die notwendige Grundlage dafür schaffen, Mandate, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten transparent und nachvollziehbar abzubilden.

Vertrauen als Voraussetzung für Agentic Payments

Damit Agentic Payments im Alltag funktionieren können, braucht es aus Sicht von Frank Müller vor allem Vertrauen. Dafür sind klar definierte Mandate, eine belastbare technische Infrastruktur und eindeutige Haftungsregeln erforderlich.

Denn was passiert, wenn der Agent das vorgegebene Budget überschreitet? Wer trägt das Risiko, wenn er manipuliert wird? Und wer haftet, wenn aufgrund eines technischen Fehlers eine falsche Zahlung ausgelöst wird?

Das geltende Zahlungsrecht liefert bereits erste Antworten und Ansatzpunkte. Insbesondere bei der starken Kundenauthentifizierung sieht Frank Müller jedoch noch Anpassungsbedarf, wenn KI-Agenten künftig tatsächlich autonom bezahlen sollen, ohne für jede einzelne Transaktion eine erneute menschliche Freigabe einzuholen.

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Über diesen Podcast

Alles Legal – Fintech-Recht kompakt liefert jede Woche spannende Insights zum Thema Recht und Compliance im Banking.
Der Podcast ist eine Kooperation zwischen Payment & Banking und PayTechLaw. Wir erklären Ihnen die rechtlichen Entwicklungen der Finanzwelt kompakt, verständlich und jeden Mittwoch neu. Seit 2021 geben die PayTechLaw-Autor:innen und Annerton-Rechtsanwälte dem Podcast die nötige Tiefe, ohne dabei im Juristen-Kauderwelsch zu versinken. Egal ob PSD3, DORA oder FiDA: Wir liefern Ihnen den Kontext, den Sie brauchen. In 20 Minuten. Ohne Umwege.



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