Agentic Payment ist rechtlich längst nicht so unmöglich, wie es manchmal klingt. In Folge #147 von Alles Legal – Fintech-Recht kompakt erklärt Frank Müller, welche Spielräume Unternehmen schon heute haben, wo echte rechtliche Grenzen liegen und warum es sich lohnt, Risiken differenziert zu betrachten. Jetzt reinhören!
Agentic Payment: Was ist heute schon möglich?
Drei Folgen lang haben sich Dana Wondra und Frank Müller mit den rechtlichen Fragen beschäftigt, die entstehen, wenn KI-Agenten einkaufen, Verträge abschließen und Zahlungen auslösen. In dieser Folge wechseln die beiden die Perspektive: Statt auf die offenen Fragen zu schauen, geht es darum, welche Möglichkeiten der bestehende Rechtsrahmen bereits bietet.
Die zentrale These: Nicht jede ungeklärte Rechtsfrage ist automatisch ein Hindernis für ein neues Produkt. Unternehmen sollten vielmehr unterscheiden, wo tatsächlich rechtliche Verbote bestehen und wo Risiken durch eine kluge Produktgestaltung beherrscht werden können.
Von rechtlichen Risiken zu konkreten Leitplanken
Viele Bausteine, die für Agentic Commerce und Agentic Payment benötigt werden, existieren bereits. Dazu gehören etwa Stellvertretung, Rahmenvereinbarungen, Limits und die Einbindung technischer Dienstleister. Auch KI-Agenten können technisch identifiziert und ihre Mandate zeitlich oder finanziell begrenzt werden.
Unternehmen müssen deshalb nicht zwingend auf eine umfassende neue Regulierung warten. Ein möglicher Ansatz ist, mit klar begrenzten Anwendungsfällen zu starten. Bei einem MVP könnten Nutzer beispielsweise einzelne Zahlungen zunächst noch einmal bestätigen. Mit zunehmender Erfahrung und entsprechenden Sicherheitsmechanismen ließe sich dem Agenten anschließend schrittweise mehr Autonomie geben.
Eine wichtige offene Frage bleibt jedoch die Haftung. Was passiert, wenn ein Agent trotz eines eindeutig definierten Mandats anders handelt als vorgesehen? Für die Akzeptanz von Agentic Payment wird entscheidend sein, klare Verantwortlichkeiten zu schaffen und Nutzer bei Fehlern nicht mit dem Risiko allein zu lassen.
Wenn die Zahlung zur Nebensache wird
Agentic Commerce eröffnet aber noch eine andere Perspektive. Wenn ein KI-Agent z. B. weiß, was Kunden gekauft haben, und daraus ableitet, was sie kaufen möchten. Der sogenannte Intent kann dadurch selbst zu einem wertvollen Bestandteil neuer Geschäftsmodelle werden.
Das könnte etablierte Kundenschnittstellen verändern. Wenn Agenten Produkte auswählen, Preise vergleichen und Käufe ausführen, könnten klassische Loyalty-Programme an Bedeutung verlieren oder sich grundlegend verändern. Banken stehen vor der Frage, wie sie ihre Kundenschnittstelle in einer von Agenten geprägten Welt erhalten. Gleichzeitig entstehen für Händler neue Chancen, wenn ihre Produkte so strukturiert und auffindbar sind, dass KI-Agenten sie unmittelbar berücksichtigen können.
Frank Müller geht noch einen Schritt weiter: Im Agentic Commerce könnte die konkrete Zahlungsart zunehmend zur Commodity werden. Ob Karte, Lastschrift, SEPA Instant oder ein anderes Zahlverfahren zum Einsatz kommt, könnte der Agent künftig anhand der jeweiligen Transaktion auswählen – beispielsweise danach, welche Option am sinnvollsten oder günstigsten ist.
Mehr Mut innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens?
Für Europa sieht Frank Müller keinen Grund, ausschließlich auf neue Spezialregeln für Agentic Payment zu warten. Der bestehende regulatorische Rahmen eröffnet bereits zahlreiche Möglichkeiten. An einzelnen Stellen könnten gezielte Anpassungen sinnvoll sein – etwa bei der starken Kundenauthentifizierung, wenn dadurch unnötige Friktionen reduziert werden können.
Die entscheidende Frage lautet damit immer weniger, ob Agentic Payment grundsätzlich möglich ist. Vielmehr geht es darum, Produkte so zu gestalten, dass Risiken beherrschbar bleiben und gleichzeitig Raum für Innovation entsteht.
Ein Teil dieser Diskussion wird am 4. November auf der Banking Exchange in Frankfurt (Unser Rabatcode für die Tickets: PayTechLawUndergroundCrew) fortgeführt. Im Panel zu Agentic Banking geht es um die Frage, wie viel Autonomie Banken ihren Agenten bereits heute geben können – und wo die entscheidende Grenze zwischen Copilot und echtem Agenten verläuft.
Über diesen Podcast
Alles Legal – Fintech-Recht kompakt liefert jede Woche spannende Insights zum Thema Recht und Compliance im Banking.
Der Podcast ist eine Kooperation zwischen Payment & Banking und PayTechLaw. Wir erklären Ihnen die rechtlichen Entwicklungen der Finanzwelt kompakt, verständlich und jeden Mittwoch neu. Seit 2021 geben die PayTechLaw-Autor:innen und Annerton-Rechtsanwälte dem Podcast die nötige Tiefe, ohne dabei im Juristen-Kauderwelsch zu versinken. Egal ob PSD3, DORA oder FiDA: Wir liefern Ihnen den Kontext, den Sie brauchen. In 20 Minuten. Ohne Umwege.
