EU-AML-Paket: Was die AMLA bringt und warum viele noch nicht bereit sind | ALLES LEGAL #127

🎧Mit dem EU-AML-Paket stellt die Europäische Union ihr Geldwäscherecht grundlegend neu auf – institutionell wie materiell. Was das konkret bedeutet und warum viele Verpflichtete operativ noch nicht ausreichend vorbereitet sind. – Jetzt reinhören!

Systemwechsel im EU-Geldwäscherecht

Mit dieser Episode starten wir unsere neue Reihe zur Geldwäscheprävention (AML). Moderatorin Dana Wondra von Payment & Banking spricht mit Sebastian Glaab, Rechtsanwalt und Partner bei Annerton, sowie mit Dr. Camillo Werdich, Gründer und CEO von Sinpex, über die strukturelle Neuausrichtung des europäischen Geldwäscherechts.

Im Zentrum steht ein echter Paradigmenwechsel: Das bislang stark richtlinienbasierte System mit erheblichen nationalen Spielräumen wird durch eine unmittelbar geltende AML-Verordnung ersetzt. Ziel ist ein einheitlicher europäischer Rechtsrahmen – weniger Fragmentierung, mehr Harmonisierung.

AMLA: Neue Aufsicht mit europäischem Anspruch

Kernstück des EU-AML-Pakets ist neben der Verordnung die neue europäische Aufsichtsbehörde AMLA mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie wird ausgewählte, besonders risikobehaftete und grenzüberschreitend tätige Verpflichtete im Finanzsektor direkt beaufsichtigen.

Flankiert wird das Paket durch Regelungen zur verbesserten Behördenzusammenarbeit sowie durch die bereits geltende Geldtransferverordnung.

Auch wenn AMLA zunächst nur einen Teil der Institute direkt beaufsichtigen wird, ist klar: Die neuen Maßstäbe werden faktisch den gesamten Markt erfassen – auch national beaufsichtigte Institute werden sich an den europäisierten Erwartungen messen lassen müssen.

Zeitplan: 2027 ist später – aber nicht zu spät

Die AML-Verordnung gilt ab Juli 2027. Doch wer glaubt, das Thema sei noch weit entfernt, irrt.
Bereits in den kommenden Jahren werden zahlreiche technische Regulierungsstandards und Leitlinien verabschiedet, die operative Details verbindlich festlegen. Unternehmen müssen daher schon heute analysieren:

  • Welche Prozesse sind betroffen?
  • Welche neuen Datenanforderungen entstehen?
  • Wie sind Bestandskunden zu behandeln?
  • Wo bestehen strukturelle Lücken?

In der Praxis bedeutet das: Gap-Analyse, Priorisierung und ein strukturiertes Transformationsprogramm – idealerweise mit klarer Governance, Ressourcenplanung und Budgetierung.

EU-AML-Paket-Readiness: Ernüchternde Ergebnisse

Dr. Camillo Werdich bringt aktuelle Ergebnisse einer europaweiten Marktumfrage zur AML-Readiness mit – und das Bild ist gemischt.
Nur ein kleiner Teil der Befragten sieht sich gut vorbereitet. Viele befinden sich noch in einer frühen Orientierungsphase und haben operative Maßnahmen noch nicht konsequent angestoßen.

Als besondere Herausforderungen werden genannt:

  • steigende und präzisere Datenanforderungen
  • verkürzte Review-Zyklen
  • komplexere Ownership-Strukturen
  • die zentrale Bedeutung revisionssicherer Daten

Ein wesentlicher Punkt: „Der Markt“ ist heterogen. Große Banken verfügen meist über Erfahrung in regulatorischen Transformationsprogrammen. Gleichzeitig werden neue Akteure – etwa bestimmte Profifußballclubs oder -agenturen – erstmals in den Verpflichtetenkreis einbezogen. Für sie ist AML-Compliance Neuland.

Das bedeutet zwar zusätzliche Belastung, eröffnet aber auch Chancen: Wer jetzt konsequent digital und strukturiert aufsetzt, kann direkt moderne Standards implementieren – ohne historisch gewachsene Umwege.

Fazit: Europäisierung mit operativer Sprengkraft

Die Reform bringt nicht nur neue materielle Pflichten, sondern auch eine deutlich schärfere und stärker zentralisierte Aufsicht.
Wer sich ausschließlich an Stichtagen orientiert, riskiert später kostspielige Remediation-Schleifen. Wer frühzeitig strukturiert plant, kann Compliance resilienter gestalten – und zugleich Effizienz sowie Transparenz im Kundenannahmeprozess erhöhen.

Über diesen Podcast

Alles Legal – Fintech-Recht kompakt liefert jede Woche spannende Insights zum Thema Recht und Compliance im Banking.
Der Podcast ist eine Kooperation zwischen Payment & Banking und PayTechLaw. Wir erklären Ihnen die rechtlichen Entwicklungen der Finanzwelt kompakt, verständlich und jeden Mittwoch neu. Seit 2021 geben die PayTechLaw-Autor:innen und Annerton-Rechtsanwälte dem Podcast die nötige Tiefe, ohne dabei im Juristen-Kauderwelsch zu versinken. Egal ob PSD3DORA oder FiDA: Wir liefern Ihnen den Kontext, den Sie brauchen. In 20 Minuten. Ohne Umwege.



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