Tip(p): Kontaktlose Zahlung – in der Verzögerung liegt der Genuss

Tip(p): Kontaktlose Zahlung – in der Verzögerung liegt der Genuss 1

Location: Flughafen Frankfurt an einem Bäckerstand irgendwo zwischen Terminal A und B und hinter mir eine lange Schlange.

Uhrzeit: Früh, sehr früh.

Geisteszustand: Kaffeedurstig, hungrig und noch etwas nachdenklich wegen der Frage eines etwas aufdringlichen Mitreisenden in der Flughafenzubringer-S-Bahn, die eigentlich hätte lauten sollen „Darf ich Ihnen anschließend eine zweite Frage stellen?“.

Kaufgegenstand: Zum Coffee-To-Go ein belegtes Brötchen (insgesamt stolze 10,25 €).

Zahlungsinstrument: Karte (old school Plastik), aber immerhin kontaktlos.

Lesehilfe: Nicht auf dem Kopf, sondern irgendwo im Rucksack.

Vertrauensverhältnis zur Technik: Vorhanden; Betrag auf NFC-Kartenlesegerät wird dem Kassendisplay entsprechen (Brille bleibt im Rucksack).

Zahlungsvorgang: Karte (an der richtigen Stelle!) einige Zentimeter über das Gerät. Keine Freigabe. Fragender Blick zur Verkäuferin (tütet bereits für den nächsten Kunden ein Brötchen ein). Ihre zeitsparende, aber unfreundliche Aufforderung: „Sie müssen lesen!

Realistische Erwartungshaltung: Display zeigt „PIN-Eingabe erforderlich“.

Heimliche Erwartung eines Nerds: Display fordert mich endlich mal zur Application Selection gemäß Art. 8 (6) der EU-Verordnung 2015/751 (gilt auch für kontaktlose Zahlungen) auf.

Display-Lektüre mit Brille: Aufforderung zur Zahlung eines „Trinkgeldes“ mit mehreren %-Optionen (z. B. 10%) und die jeweiligen Umrechnungen in einen Euro-Betrag.

Neuer Geisteszustand: Mischung zwischen Verärgerung und Verwunderung. Warum Exante-Trinkgeld vor dem Genuss, warum Trinkgeld in einer – zumindest für Europäer – untypischen Trinkgeld-Situation, warum nur Trinkgeld bei Kartenzahlung (ein Trinkgeldsparschein auf dem Tresen fehlt), warum eine künstliche Zeitverlängerung, die die Zeitersparnis einer kontaktlosen Zahlung wieder zunichtemacht?

Ergebnis: Wen wundert es; ich nutze schamlos die Option „Kein Trinkgeld“.

Wunsch: Liebe Acquirer und Netzbetreiber, diese „automatische Trinkgeldfunktion“ ist in diesem Coffee-To-Go-Umfeld eine Unsitte.

Gegenthese: „Wenn Du es eilig hast, gehe langsam“ (Konfuzius)

Nachspiel: Lautsprecherdurchsage über den Wolken im Flugzeug beim Start der Service-Runde: „Sie können nur mit Karte oder mit den Zahlungsapps Google Pay oder Apple Pay zahlen.“ Zahle ich bei der Nutzung dieser Apps nicht auch immer mit Karte? Lautete die Durchsage vor 40 Jahren: „Sie können mit Bargeld oder mit Ihrem Portemonnaie zahlen?

Fazit: Auch Nerds sind irgendwann urlaubsreif!



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