Sind GameFi und P2E die Zukunft des Gamings?

NFTs in der Gaming-Welt: Sind GameFI und P2E die Zukunft des Gamings? | Dennis Lange von Annerton auf PayTechLaw | Cover Picture: Tom Eversley

Die Nutzung dezentraler, Blockchain-basierter Möglichkeiten scheint der neue Trend der Gaming-Branche zu werden. GameFi ist nicht erst seit der Ankündigung von Ubisoft-CEO Yves Guillemot, den bekannten Publisher zu einem der Hauptakteure im Bereich Blockchain-basierter Games aufstellen zu wollen, in aller Munde.

 

Was ist GameFi?

GameFi ist eine Kombination aus den Begriffen Gaming und Decentralized Finance (kurz “DeFi”) und umschreibt die Einbindung von Blockchain-Anwendungen im Gaming-Bereich unter anderem zu Monetarisierungszwecken. Vor allem kleinere Publisher nutzen die Möglichkeit, ihre Games mittels der Ausgabe von Token zu monetarisieren. Die Token basieren dabei meist auf den ERC-20-Standard der Ethereum-Blockchain und werden im Rahmen eines Initial Coin Offerings (ICO) emittiert. Das dient der Finanzierung der Kosten, die bei der Entwicklung des Games entstehen. Die Gamer erhalten mithilfe von Smart Contracts automatisiert Token vom Publisher gegen eine Zahlung mit bestehenden Kryptowährungen und können diese im später entwickelten Game einsetzen.

Zusätzlich sollen die Gamer durch das Spielen die Möglichkeit erhalten, an der Monetarisierung des Games teilzuhaben. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu herkömmlichen Videospielen, bei denen nur der Publisher profitiert. „Play to earn“ (P2E) wird dieses Konzept genannt, da die Gamer für das Erreichen bestimmter Ingame-Ziele Token erhalten, die sie – je nach Ausgestaltung – in andere Kryptocurrencies oder Fiatgeld tauschen oder für den Erwerb von Game-Inhalten nutzen können.

GameFi bietet mit der Tokenisierung dieser Game-Inhalte darüber hinaus ein weiteres spannendes Handlungsfeld. Mittels Non-fungible-Token (NFTs) erhalten Gamer die einzigartige Möglichkeit, „Eigentum” (bzw. Urheber- bzw. Verwertungsrechte) an Ingame-Inhalten zu erwerben und ihre gesammelten Inhalte an Freunde oder sogar spielübergreifend zu übertragen. So werden weitgehende Nutzungsmöglichkeiten erschlossen, die auch für große Tech-Unternehmen mit Blick auf ihr Engagement im sog. Metaversum interessant sein dürften.

 

Benötigen Publisher wegen GameFi bald eine Lizenz?

Für die Publisher Blockchain-basierter Games lohnt sich derweil ein Blick auf die Frage, wie die Ausgabe von Token und NFTs regulatorisch zu bewerten ist. Vor allem die Emission von Token im Rahmen eines ICOs ist kein regulatorisches Neuland mehr.

In Betracht kommen neben Prospekt- auch zahlreiche Erlaubnispflichten. Welchen regulatorischen Pflichten Tokenemittenten unterliegen, unterscheidet sich je nach Art der Token und ist einzelfallbezogen zu betrachten.

Art der Token entscheidend

Token, die mit schuldrechtlichen oder gesellschafterähnlichen mitgliedschaftlichen Rechten ausgestattet sind, werden als Securitiy Token bezeichnet. Aufgrund ihrer Nähe zu herkömmlichen Wertpapieren können Security Token diverse regulatorische Pflichten, exemplarisch aus dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG), dem Wertpapierprospektgesetz (WpPG), dem Vermögensanlagengesetz (VermAnlG) oder dem Geldwäschegesetz (GwG), auslösen. Currency-Token, die als alternative Zahlungsmittel ausgestaltet sind, werden von der aufsichtsrechtlichen Praxis als Finanzinstrumente eingestuft und können zu Folgepflichten aus dem Kreditwesengesetz (KWG) führen.

Handelt es sich hingegen um reine Utility Token, die den Erwerbern keinerlei finanzielle oder gesellschaftsrechtliche Ansprüche gegen den Publisher gewähren und keinen Tausch- sowie Anlagezweck haben (sog. „reine Utility Token“), fallen derartige Pflichten weitgehend weg. Dieser Umstand liegt darin begründet, dass Utility Token den Erwerbern analog zu Gutscheinen lediglich Zugang zu Dienstleistungen oder Produkten im späteren Game ermöglichen sollen (z.B. bestimmte Skins). Sie sind weder als Finanzinstrumente im Sinne des KWG noch als Wertpapiere im Sinne des WpPG oder Vermögensanlagen im Sinne des VermAnlG einzustufen.

Die Unterscheidung kann im Einzelfall schwierig sein, insbesondere wenn die Token nach der Vorstellung des Publishers nicht nur ingame Verwendung finden, sondern darüber hinaus auch Wertbewahrungs- und Bezahlfunktionen außerhalb des Ökosystems des Publishers erfüllen sollen. Man spricht hier von sog. hybriden Token, bei denen mögliche regulatorische Pflichten anhand einer Abgrenzung des Schwerpunktes der Token ermittelt werden.

Auch der spätere Verwendungszweck und spätere Erwerbsmöglichkeiten der Token können zu unliebsamen Erlaubnispflichten führen. Der Einsatz von Token als Bezahlmethode bei reinen Austauschgeschäften in der abgegrenzten Gamingwelt sowie der Handel von Token zwischen Privatnutzern mag zwar erlaubnisfrei sein. Das kann sich für den Publisher jedoch dann ändern, wenn er in seinem Ökosystem eine Plattform zur Verfügung stellen möchte, in der er als Dritter zwischen die Zahlungen der Gamer treten möchte und so womöglich Zahlungsdienste im Sinne des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes (ZAG) erbringt.

Auch NFTs können Erlaubnispflichten auslösen

Schließlich können auch NFTs nicht von der Betrachtung regulatorischer Pflichten ausgenommen werden. Wenn auch im Einzelnen umstritten dürften NFTs unter den Tatbestand der Kryptowerte im Sinne des § 1 Abs. 11 S. 1 Nr. 10 KWG fallen. Nach der Legaldefinition aus § 1 Abs. 11 S. 4 KWG sind Kryptowerte digitale Darstellungen eines Wertes, der von keiner Zentralbank oder öffentlichen Stelle emittiert wurde oder garantiert wird und nicht den gesetzlichen Status einer Währung oder von Geld besitzt, aber von natürlichen oder juristischen Personen aufgrund einer Vereinbarung oder tatsächlichen Übung als Tausch- oder Zahlungsmittel akzeptiert wird oder Anlagezwecken dient und der auf elektronischem Wege übertragen, gespeichert und gehandelt werden kann. In der Gesetzesbegründung hat der Gesetzgeber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er mit dieser Definition alle handelbaren Vermögenswerte abdecken möchte, die Anlagezwecken dienen sollen. Mit Blick auf das derzeitige Interesse und starke Wertentwicklungen der NFTs ist der Anlagezweck jedenfalls naheliegend. Somit könnte ein NFT auch eine Vermögensanlage darstellen.

Die Einstufung als Finanzinstrument führt dazu, dass viele Dienstleistungen, die für Publisher rund um NFTs in der Gaming-Welt vorstellbar sind, einer Erlaubnis der zuständigen Aufsichtsbehörde BaFin bedürfen. Für die Emission von NFTs, die Vermögensanlagen darstellen, würde zudem ein gebilligtes Prospekt (oder optional ein gestattetes Vermögensanlagen-Informationsblatt) erforderlich sein.

Die Mühe dürfte sich jedoch lohnen: Allein in Deutschland lag der Umsatz im Gaming-Bereich für das Jahr 2020 bei 8,5 Milliarden Euro. Weltweit soll der erwartete Umsatz spätestens im Jahr 2025 gar die 200 Milliarden US-Dollar-Grenze überschreiten.

 

 

Cover picture: Copyright © Adobe Stock / Tom Eversley

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