HINTERGRUND
Trotz der 35.000 Start-ups in Europa haben zu viele von ihnen Schwierigkeiten, sich weiterzuentwickeln, und entscheiden sich häufig dafür, ihren Betrieb außerhalb der Europäischen Union anzusiedeln.
Inhaltsverzeichnis
Mehrere Faktoren behindern die Entwicklung von Start-ups in der Europäischen Union, darunter:
- die Fragmentierung des Marktes;
- die Unvollständigkeit des europäischen Binnenmarktes, beispielsweise durch ein unvollständig harmonisiertes regulatorisches Umfeld; und
- ein Finanzsystem der Europäischen Union, das nach wie vor überwiegend bankenzentriert ist und bei dem Investoren nur eine geringe Risikobereitschaft zeigen, obwohl Risikokapital für die Finanzierung von Start-ups geeignet wäre.
In ihrer Mitteilung vom 28. Mai 2025 hat die Europäische Kommission ihre Strategie zur Förderung von Start-ups und Scale-ups in der Europäischen Union detailliert dargelegt. Im Rahmen der Umsetzung der in der Mitteilung beschriebenen Strategien wurde das TechEU-Programm von der Europäischen Investitionsbank („EIB“) ins Leben gerufen, wobei die entsprechende TechEU-Plattform im Juli 2025 gestartet wurde. Das TechEU-Programm zielt darauf ab, bis 2027 bis zu 250 Milliarden Euro zu mobilisieren. Das TechEU-Programm orientiert sich zwar weitgehend an den Zielen des Programms „Horizont Europa“, bietet jedoch einen zusätzlichen Mehrwert, indem es auf das nachhaltige Wachstum europäischer Unternehmen abzielt, die im Bereich Innovation tätig sind.
Selbstverständlich wurden auch auf nationaler Ebene Maßnahmen zur Entwicklung des Start-up-Ökosystems ergriffen, wobei Länder wie Luxemburg groß angelegte Initiativen zur Entwicklung ihres Start-up-Ökosystems entwickelt haben.
In diesem Artikel geben wir einen Überblick über das zuvor erwähnte TechEU-Programm und beschreiben den Luxembourg Future Fund I und II, die ebenfalls darauf abzielen, Finanzmittel für Innovationen bereitzustellen.
Welche Unternehmen sind berechtigt, vom TechEU-Programm zu profitieren, und in welchen Bereichen wird das TechEU-Programm investieren?
Die Arten von Unternehmen, die förderfähig sind
Die EIB hat eine Liste von Unternehmen erstellt, die im Rahmen des TechEU-Programms finanziert werden sollen. Dabei handelt es sich um folgende Arten von Unternehmen:
- öffentliche und private Einrichtungen, die Forschung und Entwicklung betreiben, um technologische Innovationen voranzutreiben;
- innovative Unternehmen, die wachsen und ihre Geschäftstätigkeit ausweiten;
- europäische Unternehmen, die Innovationen erwerben möchten;
- Unternehmen, die Technologie- und digitale Infrastrukturprojekte entwickeln; und
- Start-ups und Scale-ups, die ihr Wachstum in Europa fortsetzen möchten, indem sie Ausstiegslösungen anbieten, um Börsengänge in Europa zu erleichtern und den Markt für Unternehmen zu vertiefen, die zur weiteren Expansion in die Europäische Union migrieren möchten.
Die vorstehende Liste verdeutlicht das Ziel der EIB, das TechEU-Programm einem breiten Spektrum von Unternehmen zugänglich zu machen. Die TechEU-Plattform soll europäischen Start-ups und Scale-ups den Zugang zu Finanzmitteln so einfach wie möglich gestalten. Das Ziel besteht darin, die TechEU-Plattform als zentrale Anlaufstelle für Unternehmen zu etablieren, die auf der Suche nach Finanzmitteln und Beratung sind.
Die Bereiche, in die das TechEU-Programm investieren wird
Das TechEU-Programm wird die folgenden innovativen Bereiche fördern:
- Clean Tech;
- Digitale Technologien;
- Bio-/Medizintechnik;
- Verteidigungssektor und Raumfahrt; und
- Forschung und Kompetenzen.
Im Hinblick auf Investitionen in die Weltraumforschung ist insbesondere das von TechEU unterstützte und in Luxemburg ansässige Projekt „Lunar Outpost“ hervorzuheben. Lunar Outpost ist ein Hightech-Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von Technologien konzentriert, die sowohl auf der Erde als auch im Weltraum eingesetzt werden können. Konkret zielt das Projekt Lunar Outpost darauf ab, autonome Robotersysteme zu entwickeln, die in außerirdischen und extremen Umgebungen überleben und funktionieren können.
Welche spezifischen Maßnahmen sind im TechEU-Programm für Start-ups und etabliertere Unternehmen vorgesehen?
Die EIB unterteilt die Arten der Finanzierung und die Dienstleistungen, die sie erbringen möchte, in zwei Kategorien: (i) Start-ups und (ii) etabliertere Unternehmen (Scale-ups).
Maßnahmen für Start-ups
Risikokapitalfinanzierung: Diese Maßnahme umfasst die Unterstützung von Unternehmen durch Kapitalinvestitionen über den Europäischen Investitionsfonds („EIF“) oder über Risikokapitalfonds-Partner. Diese Risikokapitalfinanzierungsmaßnahmen zielen darauf ab, Unternehmen während ihres gesamten Innovationszyklus zu unterstützen, vom Technologietransfer über die Gründung bis hin zu späteren Wachstums- und Expansionsphasen.
Risikokredite: Das TechEU-Programm stellt Start-ups langfristige Kredite mit endfälliger Tilgung und einer an das Aktienrisiko gekoppelten Vergütung zur Verfügung und ergänzt damit die bestehende Risikokapitalfinanzierung.
Beratungsdienste: Das TechEU-Programm bietet verschiedene Dienstleistungen zur Unterstützung und Verbesserung aller Phasen des Projektzyklus und darüber hinaus, um diese Projekte zu verwirklichen.
Bankkredite für klene und mittlere Unternehmen (KMU): Das TechEU-Programm stellt KMU über ein Netzwerk von Finanzintermediären des EIF und der EIB, wie Banken und alternative Finanzdienstleister, Kredite für Innovation und Digitalisierung zur Verfügung.
Direkte Eigenkapital-Koinvestitionen: Im Rahmen des TechEU-Programms beabsichtigt der EIF, in Eigenkapital-Koinvestitionen für Start-ups zu investieren, um ihnen zu helfen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen und ihren Einfluss auf zentrale EU-Prioritäten wie Klima und Deep Tech[1] zu vergrößern.
European Tech Champions Initiative – ETCI: Im Rahmen des TechEU-Programms wird der EIF in groß angelegte Risikokapitalfonds investieren, die wiederum europäischen Tech-Champions in ihrer späten Wachstumsphase Wachstumsfinanzierungen zur Verfügung stellen.
Etablierte und große Unternehmen
Fremdkapitalfinanzierung: Das TechEU-Programm beabsichtigt, maßgeschneiderte Fremdkapitalfinanzierungen für Scale-ups und Unternehmen anzubieten, die bahnbrechende Technologien entwickeln.
Garantien: Das TechEU-Programm wird auch eine Vielzahl von Garantieinstrumenten anbieten, die die Risiken eines einzelnen oder mehrerer Projekte abdecken. Das TechEU-Programm wird zusätzliche Finanzmittel für kleine und mittlere Unternehmen freisetzen, indem es einen Teil der möglichen Verluste abdeckt.
Infrastrukturinvestitionen: Das TechEU-Programm bietet Unterstützung durch EIB-Finanzierungen für digitale Infrastrukturprojekte sowie durch EIF-gestützte Infrastrukturfonds (indirektes Eigenkapital), die Projekte wie Rechenzentren und innovative Online-Plattformen fördern.
Bankkredite für kleine und mittlere Unternehmen: Finanzintermediäre des EIF und der EIB sollen KMU Kredite für Innovation und Digitalisierung gewähren.
Risikokapitalfinanzierung: Das TechEU-Programm wird Risikokapitalinvestitionen anbieten. Diese Risikokapitalfinanzierung wird über das Netzwerk der Risikokapitalfonds-Partner des EIF erfolgen.
Direkte Eigenkapital-Koinvestitionen: Wie bei Start-ups beabsichtigt der EIF, in Eigenkapital-Koinvestitionen für Scale-ups zu investieren.
Zwei Beispiele für Initiativen auf luxemburgischer Ebene zugunsten von Start-ups und Scale-ups: der Luxembourg Future Fund I und der Luxembourg Future Fund II.
Neben Initiativen wie TechEU gibt es natürlich auch Investitionsinitiativen, die darauf abzielen, die nachhaltige Entwicklung strategischer Sektoren in Luxemburg zu fördern (dazu gehören Unternehmen, die in den Bereichen IKT, Cleantech, künstliche Intelligenz und Cybersicherheit tätig sind). In der folgenden Tabelle vergleichen wir die Investitionsinitiative Luxembourg Future Fund I mit der neueren Investitionsfondsinitiative Luxembourg Future Fund II:
| Luxembourg Future Fund I | Luxembourg Future Fund II | |
| Aktueller Stand | Die aktive Investitionsphase wurde im Oktober 2022 eingestellt, und daher sind keine weiteren Primärfonds- und Co-Investitionen vorgesehen. | Die aktive Investitionsphase ist noch im Gange. |
| Maximale Investitionskapazität | Die Investitionskapazität der luxemburgischen öffentlichen Einrichtung zur Unterstützung kleiner Unternehmen (Société nationale de crédit et d’investissement oder „SNCI“) in Zusammenarbeit mit dem EIF beläuft sich auf insgesamt 150 Millionen Euro.
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Die Investitionskapazität zwischen dem EIF und dem SNCI beläuft sich auf 200 Millionen Euro. |
| Form der Investition | Investitionen in Risikokapitalfonds: Dieser Teilfonds investiert in Risikokapitalfonds, die noch nicht in Luxemburg gegründet wurden.
Koinvestitionen zusammen mit Risikokapitalfonds und Business Angels: Der Luxembourg Future Fund I investiert direkt in Start-ups, die innovative Technologien entwickeln, zusammen mit Risikokapitalfonds oder sogenannten Business Angels[2]. Diese Business Angels sollten vorzugsweise ihren Sitz in Luxemburg haben und für Luxemburg relevante Investitionstätigkeiten ausüben oder planen.
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LFF 2 Primäre Fondsverpflichtungen:
Der Luxembourg Future Fund II wird als Kommanditist in Private-Equity- oder Risikokapitalfonds investieren. Die Investitionen können in Form von hybriden Fremdkapital-Eigenkapital-Fonds erfolgen. Koinvestitionen: Der Luxembourg Future Fund II wird in Zweckgesellschaften koinvestieren, die von Investmentfonds verwaltet werden (dazu gehören Risikokapital- oder Private-Equity-orientierte Investmentfonds sowie Family Offices), wobei die Endbegünstigten in der Regel innovative Unternehmen sind.
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| Kooperation mit der EIF | Beitrag sowohl des EIF als auch des SNCI. | Beitrag sowohl des EIF als auch des SNCI. Das Programm wird vom EIF im Auftrag des SNCI verwaltet. |
| Zielobjekt | Ausschließlich Start-ups. | Start-ups und etablierte Unternehmen, die die Startphase bereits hinter sich haben. |
| Nachhaltigkeitanforderun-gen | Keine Nachhaltigkeits-anforderungen. | Mindestens zwei der luxemburgischen Kriterien für nachhaltige wirtschaftliche Substanz (Sustainable Economic Substance Criteria) müssen erfüllt sein (dazu gehören ein wesentlicher Beitrag zur ökologischen Nachhaltigkeit in Luxemburg und die Schaffung von Schlüsselkompetenzen in Luxemburg).[3]
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| Zielsektoren des Programms | Umfasst IKT, Cleantech und andere Technologiesektoren, ausgenommen Gesundheitstechnologien und Biowissenschaften. | Umfasst Klimatechnologien, künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, Energieversorgungssicherheit, Biowissenschaften und Medizintechnologien sowie Investitionen in neue Weltraumtechnologien. |
Kurz dargestellt
Die Einführung des TechEU-Programms ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Europäische Union beabsichtigt, sowohl Fremd- als auch Eigenkapitalfinanzierungen zu koordinieren, um Innovationen in der Europäischen Union massiv zu fördern.
Das TechEU-Programm wird einer Vielzahl von Unternehmen zur Verfügung stehen und zielt darauf ab, Innovationen in einer Reihe von Sektoren wie Medizintechnik und Weltraumforschung zu finanzieren, wobei der Schwerpunkt stärker auf Eigenkapitalfinanzierung als auf dem derzeitigen bankenzentrierten Ansatz liegt. Auf nationaler Ebene haben sich die EU und die einzelnen Mitgliedstaaten in den letzten Jahren ebenfalls bemüht, Innovationen durch zahlreiche Initiativen wie die oben beschriebenen Luxembourg Future Funds I und II zu fördern. In der von der Kommission veröffentlichten Mitteilung wird betont, dass diese Maßnahmen zugunsten von Start-ups und Scale-ups rasch umgesetzt werden sollten, mit dem übergeordneten Ziel, sicherzustellen, dass Start-ups sich in naher Zukunft dafür entscheiden, in der Europäischen Union zu bleiben und sich dort weiterzuentwickeln, anstatt aus der Union abzuwandern.
[1] Ein Geschäfts- oder Forschungsbereich, in dem fortschrittliche Wissenschaft und Technologie wie künstliche Intelligenz, Blockchain oder Fortschritte in der Biotechnologie eingesetzt werden, um Lösungen für komplexe Probleme zu finden.
[2] Ein Business Angel ist eine Person, die ein kommerzielles Unternehmen finanziell unterstützt und dafür einen Anteil an den Gewinnen erhält, jedoch nicht erwartet, in die Unternehmensführung eingebunden zu werden.
[3] Die Kriterien des LSEC sind unter folgendem Link aufgeführt: Luxembourg Future Fund 2