Sanktionen und AML: Wie sich Compliance im Finanzsektor verändert | ALLES LEGAL #129

🎧Finanzsanktionen spielen für Banken und Zahlungsdienstleister eine immer größere Rolle. Warum sie heute weit mehr sind als ein technischer Listenabgleich und welche Bedeutung sie im neuen europäischen AML-Regime haben, erklärt Annerton-Partner Sebastian Glaab im Gespräch mit Dana Wondra. – Jetzt reinhören!

Finanzsanktionen gehören inzwischen fest zum Compliance-Alltag im Finanzsektor. Spätestens seit den umfassenden Sanktionen gegen Russland und der zunehmenden geopolitischen Spannungen hat das Thema stark an Bedeutung gewonnen. In der aktuellen Folge von „Alles Legal – Fintech-Recht kompakt“ sprechen Dana Wondra und Sebastian Glaab darüber, warum Sanktionen heute stärker in das Risikomanagement von Banken und Zahlungsdienstleistern integriert werden müssen.

Rechtlich betrachtet ist das Instrument der Sanktionen keineswegs neu. Regelungen finden sich seit vielen Jahren beispielsweise im Außenwirtschaftsgesetz oder in europäischen Verordnungen. Neu ist jedoch die politische Dynamik, mit der Sanktionen eingesetzt werden – und die Konsequenz, mit der Verstöße verfolgt werden. Neben Bußgeldern drohen auch strafrechtliche Konsequenzen sowie erhebliche Reputationsrisiken.

In der Praxis behandeln viele Unternehmen Sanktionen noch immer vor allem als technischen Listenabgleich. Dieser Ansatz greift jedoch zu kurz. Entscheidend ist ein risikobasierter Blick auf die gesamte Geschäftsbeziehung: Wer ist der tatsächliche Vertragspartner? Wer steht wirtschaftlich hinter einem Unternehmen? Und welche weiteren Akteure sind in die Struktur eingebunden?

Gerade bei komplexen Beteiligungsstrukturen oder Transaktionen über Drittstaaten besteht ein erhöhtes Risiko von Umgehungskonstruktionen. Für Institute wird es deshalb immer wichtiger, Geschäftsbeziehungen ganzheitlich zu analysieren und potenzielle Risiken systematisch zu bewerten.

Sanktionen im Kontext des neuen AML-Regimes

In der Podcastfolge diskutieren Dana Wondra und Sebastian Glaab, wie sich die Rolle von Finanzsanktionen im europäischen Regulierungsrahmen verändert. Besonders im Kontext der neuen europäischen AML-Strukturen wird deutlich, dass Sanktionen zunehmend mit Geldwäscheprävention und Risikomanagement verzahnt werden.

Für Banken und Zahlungsdienstleister bedeutet das: Compliance-Strukturen müssen weiterentwickelt werden. Statt isolierter Prüfungen rückt ein ganzheitlicher Blick auf Kunden, Transaktionen und wirtschaftliche Hintergründe in den Mittelpunkt.

Warum der reine Listenabgleich nicht mehr ausreicht

Viele Compliance-Prozesse basieren traditionell auf dem Abgleich von Kunden- oder Transaktionsdaten mit Sanktionslisten. Doch diese Methode allein reicht heute nicht mehr aus.

Entscheidend ist vielmehr ein risikobasierter Ansatz, der auch komplexe Eigentümerstrukturen, wirtschaftlich Berechtigte und mögliche Umgehungskonstruktionen berücksichtigt. Nur so können Institute sicherstellen, dass sie Sanktionen effektiv einhalten und regulatorische Risiken minimieren.

Komplexe Strukturen als besondere Herausforderung

Besonders schwierig wird die Bewertung bei mehrstufigen Beteiligungsketten oder Geschäftsbeziehungen über Drittstaaten. In solchen Fällen können Sanktionen indirekt umgangen werden.

  • Institute müssen daher zunehmend:
  • wirtschaftlich Berechtigte genau identifizieren
  • Beteiligungsstrukturen analysieren
  • Risiken systematisch bewerten
  • Sanktionen stärker in ihr gesamtes Compliance-Framework integrieren

Über diesen Podcast

Alles Legal – Fintech-Recht kompakt liefert jede Woche spannende Insights zum Thema Recht und Compliance im Banking.
Der Podcast ist eine Kooperation zwischen Payment & Banking und PayTechLaw. Wir erklären Ihnen die rechtlichen Entwicklungen der Finanzwelt kompakt, verständlich und jeden Mittwoch neu. Seit 2021 geben die PayTechLaw-Autor:innen und Annerton-Rechtsanwälte dem Podcast die nötige Tiefe, ohne dabei im Juristen-Kauderwelsch zu versinken. Egal ob PSD3DORA oder FiDA: Wir liefern Ihnen den Kontext, den Sie brauchen. In 20 Minuten. Ohne Umwege.



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